Ökumene in Horb

Berufen zum gemeinsamen Zeugnis

Der ökumenische Dialog, den die römisch-katholische und die evangelische Kirche seit Jahrzehnten miteinander führen, hat in vielen Fragen zu einem hohen Maß an Übereinstimmung geführt.

 

Man ist sich theologisch und menschlich näher gekommen. Vorurteile wurden abgebaut. Gegenseitige Informationen halfen zu mehr Verständnis der jeweils anderen Kirche.

Freilich haben sich längst nicht alle mit dem ökumenischen Dialog verbundenen Hoffnungen erfüllt. Keine Einigkeit bestehen in den Fragen, was Kirche und ihre Aufgabe letztlich eigentlich ist, was es mit dem Amt des Pfarrers auf sich hat und was die Stellung des Papstes sowie die der Heiligen innerhalb der Christenheit ist.
Dennoch trägt uns die gemeinsame Überzeugung: "Was uns miteinander verbindet, ist stärker als das, was uns noch trennt". Es verbinden uns die eine Taufe, die Bibel, die meisten Feste im Kirchenjahr, der im Glaubensbekenntnis zusammengefaßte christliche Glaube, die Überzeugung, daß Jesus Christus wirklich beim Abendmahl (Eucharistie) in Brot und Wein real gegenwärtig ist und vieles mehr.
So stehen die Kirchen vor der gemeinsamen Aufgabe, das erreichte Maß an Gemeinsamkeit zu stärken und zu vertiefen. Sie sind zum gemeinsamen Zeugnis berufen. Jesus Christus ist gemäß dem Evangelium Quelle und Mitte des christlichen Lebens. Er selbst gab uns den Auftrag zur Einheit, als er betete: "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast." (Johannes 17,21) Grundsatz aller ökumenischen Arbeit sollte darum sein: "Alles, was Christen gemeinsam besser unternehmen können, sollen sie auch gemeinsam tun!"
Zu unserer ökumenischen Arbeit hier in Horb gehört für uns deshalb die umfassende Information über die jeweils andere Gemeinde, über ihre verantwortlichen Personen und Aktivitäten. Gegenseitige Information über Glauben und Leben der Kirchen helfen, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen. Sie fördern das Vertrauen zueinander.
Solch ein lebendiger Austausch findet bei uns in Horb statt in den ökumenischen Dienstbesprechungen der Hauptamtlichen im Pastoralteam (Pfarrer, Vikare, Diakone, Pastoralreferentin) sowie bei den gemeinsamen ökumenischen Sitzungen beider Kirchengemeinderäte. Im November fanden zudem sehr gut besuchte Informationsveranstaltungen über das Abendmahl/die Eucharistiefeier statt. In Kirche und Gemeindehaus wurde informiert über Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Gottesdienst, Messe und Abendmahl/Eucharistie.
Auf dem Weg zur ökumenischen Zusammenarbeit ist die persönliche Einladung ein wichtiger Schritt. So laden sich die Kirchengemeinden in Horb gegenseitig zu den Gemeindefesten oder Andachten ein, wie z.B. zur ökumenischen Adventsandacht und zum Kreuzweg auf der Schütte, zu Segnungsgottesdiensten und Gottesdiensten für Senioren, zu ökumenischen Bibelabenden und Kinderbibelwochen und zum Bibelseminar, zu Reisen und zur Erwachsenenbildung sowie zu Kirchenkonzerten. Auf ökumenischer Basis finden auch Frauenkreis und Seniorennachmittag regelmäßig statt.

 

Als Höhepunkte der Ökumene feiern wir das Herzstück jeder christlichen Gemeinde: gemeinsame Wort- Gottesdienste am Sonntagmorgen, Gottesdienste im Grünen und "Kanzeltausch-Gottesdienste". Ökumenische Gottesdienste sind Ausdruck der bereits in Jesus Christus bestehenden Gemeinschaft aller Christen. Abgerundet werden die ökumenischen Begegnungen durch den Weltgebetstag unter dem Motto "Frauen aller Konfessionen laden ein" (1. Freitag im März), die Aktion "Miteinander Teilen" sowie das ökumenische Hausgebet im Advent und nicht zu vergessen die vielen Schulgottesdienste und Schulanfängergottesdienste, die alle ökumenisch gefeiert werden.
Zur ökumenischen Gastfreundschaft gehört auch die Bereitschaft, bei Bedarf die Gemeindehäuser für Veranstaltungen der anderen Gemeinde zu öffnen (zurzeit das katholische Gemeindezentrum auf dem Hohenberg für die evangelische Gemeinde).
Etwas ganz besonderes in Horb ist die Existenz eines ökumenischen Kinderchors unter Leitung von Frau Irina Heidebrecht-Schmitter, der in beiden Gemeinden immer wieder auftritt.
Die Ökumene in Horb ist zur Zeit getragen von großem gegenseitigen Respekt und Zuneigung, Sympathie und Wohlwollen sowohl der Verantwortlichen wie auch der Gemeindeglieder. Dadurch sind die erstaunlich vielen gerade genannten gemeinsamen Dinge möglich geworden. Wir sollten darum gerade jetzt die Chance nutzen, eine ständige Einrichtung für die ökumenische Zusammenarbeit zu schaffen: Eine "Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen", kurz: ACK, wie sie an vielen Orten in unserem Land schon besteht. In dieser Arbeitsgemeinschaft werden die in Horb ansässigen christlichen Gemeinden der katholischen und der evangelischen Kirche durch autorisierte Delegierte vertreten sein. Dadurch nimmt die ökumenische Zusammenarbeit in Horb eine verbindliche Form an. Eine Satzung dafür wurde bereits ausgearbeitet und von den verantwortlichen Gremien beider Kirchen beschlossen.
Die feierliche Gründung einer ACK im Rahmen der ACK in Baden-Württemberg fand im Steinhaus in Horb bei der ökumenischen Kirchengemeinderatssitzung am Donnerstag, dem 22. Januar 2004, statt.

 

Pfarrer Ewald Werner, Pfarrer Alfred Weiss