31.10.2016 ChurchNight in Horb - auch ein Teil des Ganzen

ChurchNight die Elfte

Horb – auch ein Teil des ganzen

 

Seit 2006 gibt es ChurchNight-Gottesdienste und die evangelische Kirchengemeinde Horb war von Anfang an dabei! Und wie jedes Jahr, war es auch dieses Mal ein ganz besonderer Gottesdienst: dieses Mal waren es mehr Jugendliche und Kinder als bisher – trotz der nicht geringen Rüben-Konkurrenz.

Gleich beim Betreten der Johanneskirche erhielt jeder ein Puzzleteil einer Weltkarte. Sehr schnell war die Johanneskirche fast bis auf den letzten Platz gefüllt, nur an Weihnachten dürften es etwas mehr sein!

Der Posaunenchor eröffnete mit der leichtfüßigen, tänzerischen Intonation Lobe den Herren den mächtigen König der Ehren von H. Walcha. Das Motto Horb – auch ein Teil des Ganzen wurde symbolisch durch Puzzleteile dargestellt, die an verschiedensten Ecken in und um die Johanneskirche auftauchten: Angefangen von der Eingangstreppe zur Kirche, über das als Puzzle gestaltete Eingangsportal bis hin zum Video und anschließendem Quiz (Was ist typisch deutsch / Christen in Kenia / Muslime in Indonesien) – überall wurde sichtbar, dass keiner ohne die anderen leben bzw. überleben kann, aber in der Mitte und als Fundament Jesus Christus steht.

Pfarrerin Veith begrüßte dementsprechend die Teilnehmer mit dem Tagesspruch ‚Einen anderen Grund kann niemand legen als den der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Der ganze Abend, so Veith, wird aus vielen Puzzleteilen bestehen, der von diesem Fundament getragen und zusammengehalten wird.

Das Motto des nun beginnenden 500. Reformationsjubiläums … da ist Freiheit aus 2. Kor. 3,14 (Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit) nahm Vocalmania musikalisch auf mit Freedom is coming (Freiheit kommt).

Nach dem Video-Clip des EJW Ein Teil des Ganzen brachte das MusikTeam mit dem Siebald-Lied Gut, dass wir einander haben diese Vielfalt und das Aufeinander-angewiesen-Sein zum Ausdruck: … keiner, der noch alles braucht und keiner, der schon alles hat … Ganz praktisch erlebt: Marielle Janzen aus Altheim sprang sehr kurzfristig für den Keyboarder des MusikTeams, Florian Müller, ein – Gut, dass wir einander haben …!

 

Dann kam Bewegung in die Johanneskirche: die Gottesdienstteilnehmer musste sich anhand der verschiedenfarbigen Rückseiten ihrer Puzzleteile in vier Ecken des Kirchenraums zusammen finden, um dann ein Viertel einer Weltkarte aus den jeweiligen Puzzleteilen zusammenzusetzen, diese auf eine Unterlage zu kleben und anschließend an einer Pinnwand wieder zusammenzufügen. Die klappte, nachdem auch das letzte Puzzleteil auf einem Notenpult gefunden worden war, relativ gut. Aber die anschließende, sehr informative und offensichtlich nicht gerade leichte Quiz-Runde über Menschen, Länder, Religionen in aller Welt dauerte deutlich länger als vorgesehen. Der Beratungs- und Diskussionsbedarf in den einzelnen Gruppen war (aus verschiedenen Gründen) unerwartet groß und viele interessante Details aus dem Alltagsleben in Kenia, Indonesien und Deutschland wurden vermittelt.

Nach dem eindringlich flehenden, aber auch stimmgewaltig vorgetragenen Hallelujah von Leonard Cohen (Solistin Julia Voss) wurde in sechs verschiedenen Sprachen abwechselnd vom Posaunenchor und MusikTeam begleitet, der erste Vers des alten Gotteslob-Liedes Großer Gott wir loben dich gesungen. Im siebten Durchgang ertönte das Lob Gottes in allen Sprachen gleichzeitig.

Von ihrem halbjährigen Einsatz als Missionarin auf Zeit in Indonesien berichtete Manuela Knopp, Gemeindereferentin der katholischen Seelsorgeeinheit Steinachtal. Spürbar beeindruckt beschrieb sie persönliche Erfahrungen des guten Miteinanders von Christen und Muslimen, von einer christlichen Gemeinde in Yogyakarta, wo sich die Muslime am Weihnachtsgottesdienst wegen drohender Attacken schützend rings um die christliche Kirche stellten, um sie vor Übergriffen zu schützen.

Nanyongo Harke-Mbella sang Bola, Bola - ein sehr rhythmisches Lied aus ihrer Kindheit in Afrika und begleitete sich selbst auf der Trommel.

Mit Weiße Fahnen (Silbermond) brachte Vocalmania ein Lied zu Gehör, das sehnsuchtsvoll den Menschheitswunsch nach Frieden zum Ausdruck bringt.

Martin Lütjohann, der Pastor der Volksmission Horb berichtete aus seiner 15jährigen Zeit als Missionar in Kenia, wo er beim Aufbau und der Einrichtung von Krankenstationen mithalf. Er beschrieb, wie Menschen inmitten unglaublicher Flüchtlingsströme und Gewalt im Bürgerkrieg die Tragfähigkeit von Glaube (Fide), Gnade (Gratia) und der Heiligen Schrift (Scriptura) persönlich erlebten und wie sie im Glauben und in der Gemeinschaft Halt fanden. Auch in Horb, so Lütjohann, kann jeder seinen Teil zu Verbreitung dieser frohen Botschaft beitragen: auch Horb steht auf der Agenda Gottes.

Die gebürtige Kenianerin Beverly Sickler und Marielle Janzen (Keyboard) beeindruckten als Duett mit dem Anbetungslied Agnus Dei (Lamm Gottes) von Michael W. Smith, in dem die Herrschaft Gottes proklamiert wird (Alleluja, for the Lord God Almigthy reigns  / Preist Gott, denn Gott der Herr, der Allmächtige regiert).

 

In ihrem Beitrag nahm Pfarrerin Veith die Gedanken von Manuela Knopp und Martin Lütjohann auf und stellte die Frage, was - bei aller Unterschiedlichkeit der Menschen und ihrer Schicksale - ist das Verbindende?

Anhand Luthers vierten Solus (solus Christus / allein Christus), führte Susanne Veith in ihrer Zusammenfassung aus, die Bedeutung eines Gebetes Gebet Jesu aus, wie es im Johannesevanglium überliefert ist:  das Gebet um die Einheit seiner Nachfolger, um die Einheit all derer, die durch das gepredigte Evangelium … an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. (Joh. 17, 20+21). Jesus wusste sicher, so Veith, wie schwierig dieses Eins-Sein werden würde, dass seine Nachfolger (wie schon die Jünger damals) viel zu oft auf Unterschiedlichkeiten fixiert sein werden, als das zu sehen, was sie verbindet. Deshalb sei es wichtig, betonte Veith, dass wir uns bewusst machen, dass Jesus dieses Gebet eben auch für uns heute gesprochen hat, dass uns dieses Gebet begleitet auf dem Weg Teil des Ganzen zu werden. Und es ist das Kreuz an dem Jesus für jeden Einzelnen von uns gestorben ist, das uns verbindet: es geht eben nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner, den wir suchen, damit wir irgendwie mit diesen oft beschwerlichen Unterschieden zurechtkommen: Das Kreuz Jesu ist alles andere als der kleinste gemeinsame Nenner. Es umspannt die ganze Welt: vertikal überwindet es den Bruch zwischen Mensch und Gott,  und horizontal verbindet es uns Menschen untereinander. Es macht uns zu Kindern Gottes und damit zu Geschwistern! Das Kreuz ist die ultimative, weltumspannende Kraft die uns vereint: einen anderen Grund kann niemand legen, als den der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Die Grundlage des christlichen Glaubens, das Gebet Jesu, trug Vocalmania mit dem rhythmisch swingenden, fröhlichen Baba Yetu (Vater Unser auf Suaheli, Solist Dennis Wiechert) aber auch mit ruhigen und dann wieder temporeichen Passagen sehr eindringlich vor. Passend zu dem stark von Musikbeiträgen geprägten Gottesdienst wurde das Vaterunser nach dem Fürbittengebet gesungen statt gesprochen: Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst.

Mit Marion Schallers sehr einfühlsam vorgetragenem Amazing Grace näherte sich ein ganz besonderer ChurchNight-Gottesdienst seinem Ende. Viele, sehr unterschiedliche Elemente fügten sich sehr anschaulich und konkret erlebbar zu einem Gesamtbild von christlicher Gemeinschaft.

Zum Abschluss war noch einmal war Vocalmania mit der gesungenen, innigen Friedensbitte Give us peace zu hören. Dazu ging der Chor durch das Kirchenschiff und motivierte die ganze Gemeinde, sich an den Händen haltend eine Kette von friedensbewegten Menschen zu bilden.

Pfarrerin Veith beendet mit dem Zuspruch des Segens Gottes den Gottesdienst. Die Kollekte des Abends kommt einem Partnerschaftsprojekt des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) in Velky Slavkov am Fuße der Hohen Tatra zugute. Durch das „Helping Hand“ - Projekt wird die örtliche missionarische Jugendarbeit unterstützt. Dazu gehören auch der Jugendglaubenskurs „Emmaus – dein Weg mit Gott“ und der kreative Bibelwettbewerb „Meet God“.

Trotz der erheblichen Zeitüberschreitung ließen es sich die meisten nicht nehmen, sich ausgiebig an den Getränken und gebackenen Köstlichkeiten, die als Imbiss gereicht wurden, zu bedienen.

Walter Burgbacher

In einem sehr bewegten und familienfreundlichen Erntedank-Gottesdienst mit zwei Taufen machte das Gottesdienstteam 0 - 99 auf anschauliche Weise klar, wie unser Handeln in Gottes Schöpfung aussehen könnte und sollte. Der schön geschmückte Erntedank-Altar zeigt uns auch dieses Jahr wie wunderbar Gottes Schöpfung ist. Nehmen wir jedoch den Schöpfungsauftrag Gottes wahr, in dem wir ... den Garten Gottes bebauen und bewahren (Gen 2, 15)? Sagen wir wirklich Ja zu Gottes Schöpfung?

Mit einem beachtlichen medialen Aufwand wurde das Thema Ja sagen zu Gottes Schöpfung aufbereitet: Videoclips (Mutter Natur und Es trifft uns alle), Powerpoint-Präsentationen und Bilder von Grundschülern zeigten facettenreich, wie wir Menschen mit unserer Mutter Erde umgehen - nicht immer sehr schmeichelhaft für uns! Dabei ist es doch eindeutig so: Wir Menschen sind auf die Natur angewiesen und nicht umgekehrt die Natur auf uns Menschen.

Die Dankbarkeit für die Gaben, die Gott uns schenkt, bleibt nur zu oft auf der Strecke. Vieles wird Tag für Tag selbstverständlich konsumiert – zu Lasten der Umwelt und zu Lasten der ärmeren Teile der Welt.

Danken hängt sehr eng mit Denken zusammen und so wurden in z.T. provokanten Dialogen Verhaltensweisen und Alltagssituationen hinterfragt und zum Umdenken motiviert. Ganz konkret wurde in einem Interview aufgezeigt, wie es mit der  Umsetzung der Umwelt-Leitlinien (erarbeitet vom Umweltteam Grüner Gockel) in unserer Kirchengemeinde aussieht: Seit der Erstzertifizierung der Kirchengemeinde nach EMAS II (Eco-Management and Audit Scheme) im Dezember 2004 wurde, dank vieler sehr engagierter Mitarbeiter, Vieles umgesetzt, um den Schöpfungsauftrag Gottes wahrzunehmen: Einsparung von Energie, Wasser und andere Ressourcen, Benutzung umweltgerechter Produkte, Umsetzung des Fair-trade-Gedankens, im Sinne der Biodiversität naturnahe Lebensräume zu schaffen und vieles mehr

Dies betonte auch Pfarrer Keller nochmal in seinem abschließenden Impuls. Er nahm Bezug auf die Handabdrücke, die Kinder, Jugendliche und auch einzelne Erwachsene im Gottesdienst auf eine große Wand gemacht haben – als Zeichen Ihres Engagements für die Schöpfung und auch als Zeichen der Zusammengehörigkeit und des gemeinsamen Einsatzes für unsere Erde. Gott sagt auf verschiedene Weise JA zu uns Menschen und zu seiner Schöpfung. Das macht uns Mut, selbst JA zu sagen und uns für unsere Erde einzusetzen. Sein JA geht über in unser JA und geht unserem JA immer voraus. 

So wurden in diesem besonderen Erntedank-Gottesdienst 0 - 99 tatsächlich (nomen es omen) alle Altersgruppen angesprochen: von den (etwas älteren) Täuflingen bis zu den (fast 99jährigen) Erwachsenen.