…dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“: „art-gerecht“ und nachhaltig leben -

Liebe Gemeinde am heutigen Stadtfest,

 

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)

·       Diese Worte aus dem 34. Psalm stehen schon etwas mehr als acht Monate lang als ökumenische Jahreslosung und damit gleichermaßen als biblisches Motto oder Leitwort über dem Jahr 2019 - ein äußerst politisches Motto, und zudem hochaktuell…

·         nicht zuletzt deshalb haben wir evangelischerseits während der Sommerzeit auf dem Gebiet unseres neu gegründeten Nahbereichs Sulz-Horb eine Predigtreihe zur Jahreslosung angeboten, um das wichtige Thema „Frieden“ in den verschiedenen Gottesdiensten aus unterschiedlichen Blickrichtungen zu beleuchten und zu bedenken.

·         Sicher hat sich jeder und jede schon einmal darüber Gedanken gemacht, was Frieden für ihn oder sie persönlich bedeutet, und dabei auf jeden Fall eines festgestellt:

  • Frieden ist mehr als Abwesenheit von Streit, Gewalt und Krieg…

 

Die heutige Beschreibung von Frieden als Ausgangspunkt der weiteren Überlegungen

·         Frieden ist eine tiefe Sehnsucht nach einem gleichberechtigten, solidarischen Miteinander der ganzen Schöpfung.

  • Wenn wir Frieden so in einen schöpfungstheologischen Kontext stellen, dann rückt etwas Weiteres in den Blick, das dem Frieden an die Seite gestellt wird, wie die zweite Seite der Medaille von Frieden:

GERECHTIGKEIT

  • „…dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“

o    so beschreibt schon Psalm 85, den wir eben miteinander gebetet haben, die besondere und ganz enge Beziehung von Frieden und Gerechtigkeit.

o    Wie diese zu denken ist – dass sie keineswegs nur im „sich küssen“ aufgeht, und was dieser Zusammenhang bedeutet, wenn es für uns mit den Worten der Jahreslosung darum geht, Frieden zu suchen und ihm nachzujagen – dem wollen wir heute miteinander nachgehen und darüber nachdenken.

Die Aktualität des heutigen Themas

Psalm 85,11 und seine besondere Geschichte:

·         Vor genau 30 Jahren fand im Rahmen des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung fand die erste Europäische  Ökumenischen Versammlung damals in Basel statt.

·         Diese Versammlung stand interessanterweise unter dem heutigen Vers aus Psalm 85, „…dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“.

·         Und auf dieser Versammlung lud der damalige Patriarch von Konstantinopel, Dimitrios I, die ganze orthodoxe und christliche Welt ein, am 1. September  - dem Beginn des orthodoxen Kirchenjahres - zum Schöpfer der Welt zu beten - mit Dankgebeten für die große Gabe der geschaffenen Welt und mit Bittgebeten für ihren Schutz und für ihre Erlösung.

·         Die Initiative des byzantinischen Patriarchen für einen „Tag der Schöpfung“ wurde in der Folge verschiedentlich aufgegriffen und fortgeführt, sodass es heute inzwischen weltweit einen „ökumenischen Tag der Schöpfung“ gibt, sowie eine ganze Schöpfungszeit, nämlich vom 1. September bis zum 4. Oktober, die dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird, um den Klimawandel aufzuhalten.

Das nämlich war die Empfehlung der dritten m europäischen ökumenischen Versammlung aus dem Jahr 2007.

·         Vor zwei Tagen fand ja der bundesweite „Tag der Schöpfung“ der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland – kurz ACK - auf der Bundesgartenschau in Heilbronn statt.

·         Dabei bilden von Anbeginn an der Lobpreis des Schöpfers, die Umkehr wegen des menschlichen Vergehens an der Schöpfung und das Einüben konkreter Schritte die inhaltlichen Schwerpunkte des „Tags der Schöpfung“.

 

<h4 style="text-indent:0cm;tab-stops:18.0pt">Nicht nur die momentane Schöpfungszeit und der Blick auf die Jahreslosung von Psalm 85,11 aus stellen das Thema FRIEDEN in einen schöpfungstheologischen Kontext </h4> <h4 style="margin-left:35.7pt;text-indent:-17.85pt;mso-list:l4 level1 lfo8; tab-stops:18.0pt">·         Es liegt nicht allein daran, dass wir uns derzeit in der genannten Schöpfungszeit befinden, und auch nicht allein an der Perspektive, die sich von Psalm 85 aus auf die Jahreslosung ergibt, dass es sich mehr als nahelegt, das Thema FRIEDEN in einen schöpfungstheologischen Zusammenhang zu stellen. </h4>

·         Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, dass diese drei ganz eng zusammengehören, ist im Grunde schon lange bekannt -

o    Denken wir nur an die genannte erste Europäische Ökumenische Versammlung in Basel Vor genau 30 Jahren im Rahmen des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung…

Die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus (18. Juni 2015) als „Leuchtturm“

Besonders eindrücklich wird dieser Zusammenhang von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der im Juni 2015 erschienenen Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus.

·         Sie ist in ihrer Art bahnbrechend und richtungsweisend, da in ihr, wie sonst wohl noch nirgendwo, so deutlich die ökologische Frage mit der sozialen Frage verbunden wird:

·         Ihr Name Laudato Si geht auf ein Gebet des heiligen Franz von Assisi zurück, welcher im so genannten „Sonnengesang“ daran erinnert, dass die Erde - unser gemeinsames Haus - wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt.

  • Im Zentrum steht dabei folgende Frage:

„Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?“

„Diese Frage“, so Papst Franziskus, „betrifft nicht nur die Umwelt in isolierter Weise, denn es ist unmöglich, das Problem fragmentarisch anzugehen“.

Vielmehr stellt sich damit zugleich auch die Frage nach dem Sinn unserer Existenz und ihrer Werte als Grundlage des sozialen Lebens: „Wozu gehen wir durch diese Welt, wozu sind wir in dieses Leben gekommen, wozu arbeiten wir und mühen uns ab, wozu braucht uns diese Erde?…Wenn diese grundlegende Frage nicht im Hintergrund mitschwingt, glaube ich nicht, dass unsere ökologischen Bemühungen bedeutende Wirkungen erzielen können“.

  • Und so entwirft der Papst mit seiner Enzyklika in ihrem Kern eine „ganzheitliche Ökologie“ - als neues Paradigma von Gerechtigkeit:

„Wir können nicht einfach Natur als etwas von uns Verschiedenes oder als einen schlichten Raum unseres Lebens verstehen“. Heute ist die Analyse der Umweltprobleme nicht zu trennen von einer Prüfung des menschlichen Umfelds, des familiären Kontextes, der Arbeitsbedingungen und der urbanen Verhältnisse sowie der Beziehung jedes Menschen zu sich selbst“ so schreibt der Papst und fährt fort: „Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise“.

Und er erläutert im weiteren Verlauf mit vielen konkreten Beispielen seinen Denkansatz, dass die Frage der Umwelt und die sozialen und menschlichen Fragen zusammengehören und nicht auseinanderdividiert werden dürfen.

Die menschliche Wurzel der ökologischen Krise

Vor allem die letzteren, die menschlichen Fragen rücken bei Papst Franziskus in den Mittelpunkt, wenn er sich ausführlich den Hauptursachen für die Sorgen um das gemeinsame Haus Erde, und damit den Wurzeln für die ökologische Krise zuwendet.

·         Ein ganzes Kapitel mit dem Titel die menschliche Wurzel der ökologischen Krise bietet eine Analyse der aktuellen Situation, „so dass wir nicht nur die Symptome betrachten, sondern auch die tiefsten Ursachen“ so der Papst - und zwar im Dialog mit Philosophie und den Humanwissenschaften.

·         Die tiefgreifende Analyse beginnt mit einem Nachdenken über die Technologien, die „denen, welche die Kenntnis und vor allem die wirtschaftliche Macht besitzen, sie einzusetzen, eine beeindruckende Gewalt über die gesamte Menschheit und die ganze Welt“ geben. Genau in dieser Mentalität der Beherrschung durch Technik liege der Grund für die Zerstörung der Natur und der Ausbeutung von Menschen, und hier besonders der Schwächsten.

  • Im Kern des ganzen komplexen Problems stehe ein exzessiver Anthropozentrismus:
    • Menschen erkennen nicht mehr ihren wirklichen Ort in der Welt, sondern denken selbstbezogen und sehen nur sich selbst und die eigenen Möglichkeiten.
    • Das mündet in eine Kultur von „gebrauchen und wegwerfen“, die jede Form von Verschwendung von Natur oder Menschen rechtfertigt, weil sie sowohl den Anderen wie auch die Natur nur als Objekte wahrnimmt und so zu unendlich vielen Formen von Ungerechtigkeit und Unterwerfung führt.
    • Eine solche Mentalität habe die Ausbeutung von Kindern, die Vereinsamung älterer und allein gelassener Menschen, Sklaverei, und die Überbewertung der Fähigkeit des Markes, sich selbst zu regulieren zur Folge, und führe in der Folge zu Menschenhandel und dem Handel mit Fellen vom Aussterben bedrohter Tiere und mit Blutdiamanten.

o    Es sei die Logik derer, die Organe von armen Menschen verkaufen, die mit Drogen handeln, und derer, die Kinder „wegwerfen“, weil sie nicht den Wünschen der Eltern entsprechen.

·         In diesem Zusammenhang fällt auf, dass es bei allen in der Enzyklika genannten Ursachen für den Unfrieden und die Ungerechtigkeit auf der Welt - und somit für die Bedrohung des gemeinsamen Hauses Erde - nicht darum geht, den Wert der menschlichen Arbeit in Frage zu stellen.

o    Man dürfe keineswegs aufhören, in den Menschen zu investieren, um einen größeren Sofortertrag zu erzielen, denn das wirke sich schlecht aus für die Gesellschaft.

    • Wohl aber gehe es um die Grenzen des wissenschaftlichen Fortschritts, bei denen der Papst vor allem die genetisch veränderten Pflanzen in den Blick nimmt:

„In einigen Regionen hat ihre Verwendung ein wirtschaftliches Wachstum hervorgerufen, das die Probleme zu lösen half“, aber es gibt „bedeutende Schwierigkeiten, die nicht relativiert werden dürfen“, besonders in Bezug auf Kleinbauern, Biodiversität und das Ökosystem als ein Netzwerk.

Deswegen braucht es „eine verantwortungsbewusste und breite wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte (..), die in der Lage ist, alle verfügbaren Informationen in Betracht zu ziehen und die Dinge beim Namen zu nennen“.

Das Zeitalter des Anthropozän

Wie zentral und richtungsweisend diese Gedanken sind, wird noch einmal mehr daran deutlich, dass es bereits seit einigen Jahren bei Forschern das Bestreben gibt, den gegenwärtigen Abschnitt der Erdgeschichte neu zu benennen.

·         Angesichts der beispiellosen menschlichen Einflüsse auf den Planeten Erde wollen die Forscher ein neues Erdzeitalter ausrufen: Das Anthropozän – das Menschen-Zeitalter.

·         Geologen teilen die Erdgeschichte ja in verschiedene Zeitalter auf. Demzufolge lebt die Menschheit derzeit im Holozän, das vor knapp 12 000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit begann.

·         Die Forscher plädieren dafür, dass das Zeitalter des Holozän seit Mitte des 20 Jahrhunderts beendet ist, und nennen als wichtiges Datum innerhalb der Zäsur für ein neues Zeitalter den ersten Atombombentest vom 16. Juli 1945, dessen Folgen sich auf der Erdoberfläche weltweit nachweisen lassen.

o    Richtig an der Datierung eines neuen erdgeschichtlichen Alters ist in jedem Fall die Tatsache, dass sich um die Mitte des letzten Jahrhunderts die menschlichen Eingriffe in das Erdsystem dramatisch beschleunigt haben, auch wenn der Prozess insgesamt bereits zur Frühzeit der Industriellen Revolution einsetzte.

o    Faktoren dieser Beschleunigung sind unter anderem die Bevölkerungsexplosion, und die gewaltige Zunahme von Ressourcenverbrauch und Schadstoffbelastung der Erde.

o    Zu den Veränderungen durch den Menschen zählen neben dem Klimawandel die großräumigen Veränderungen der Kreisläufe Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor, die Verbreitung von Plastik, Aluminium, Beton-Partikeln, Flugasche und radioaktivem Fallout, sowie das rasche Fortschreiten des globalen Artensterbens.

o    Viele dieser Veränderungen sind geologisch dauerhaft und manche sind praktisch irreversibel.

Die Bezeichnung des neuen Zeitalters als Paradigmenwechsel

Wenn hier zum ersten Mal ein Erdzeitalter nicht mehr nach erdgeschichtlichen Phänomenen eingeordnet und benannt wird, sondern nach den genannten einschneidenden Veränderungen durch den Menschen, dann kann man dies als einen Paradigmenwechsel bezeichnen.

Psalm 85,11 als Spiegel der gegenwärtigen Welt…

Liebe Gemeinde,

Wenn wir mit all diesen Gedanken und Fragen noch einmal auf den Ausgangspunkt der heutigen Psalmworte aus Psalm 85 zurückblicken, dann erscheinen sie in ihrer Klarheit und Weisheit geradezu als Spiegel der momentanen Realität dieser Welt

·         Schauen wir in diesen Spiegel, auf dass er uns von seiner Klarheit und Weisheit etwas zeige, wenn wir die Worte, die wir eingangs gebetet haben, nun noch einmal hören. Wer mag, kann sie auf dem Liedblatt noch einmal mitlesen…

Psalm 85, 9-14

Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet,

dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen,

auf dass sie nicht in Torheit geraten.

Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten,

dass in unserm Lande Ehre wohne;

dass Güte und Treue einander begegnen,

Gerechtigkeit und Friede sich küssen;

dass Treue auf der Erde wachse

und Gerechtigkeit vom Himmel schaue;

dass uns auch der HERR Gutes tue

und unser Land seine Frucht gebe;

dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe

und seinen Schritten folge.

 

Ein paar Gedankensplitter zum Psalm

  • dass Güte und Treue einander begegnen,

Gerechtigkeit und Friede sich küssen;

  • das ist der wohl vertrauteste Satz aus dem Psalm, und doch hält er zwei Überraschungen bereit, wie ich behaupte:
    • Küssen oder Kämpfen?

DENN: die hebräische Verbform „naschaqu“ kann sowohl von der Grundform des Verbs „küssen“ als auch des Verbs „kämpfen abgeleitet werden.

o    In der neueren Psalmenforschung ist man sich darüber einig, dass sich die Frage „Küssen oder Kämpfen“ nicht eindeutig entscheiden lässt.

o    Genauso ist es beim hebräischen Verb für „treffen“ in den Worten „…dass Güte und Treue einander treffen oder begegnen“:

Auch hier sind beide Richtungen offen – ein positiv-freundliches Treffen oder Begegnen und ein negativ-aggressives.

  • In dieser Offenheit sollen wir wohl beides lesen oder hören als Gottes Wort:

Dass Güte und Treue einander freundlich und feindlich begegnen, und dass Friede und Gerechtigkeit gegeneinander kämpfen und sich küssen.

Was bedeutet das für uns ?

Was bedeutet das für uns heute– gerade angesichts aller Fragen, an denen wir schon entlanggekommen sind…?

·         Zum einen hält uns der Psalm den Spiegel der Realität vor: Güte und Treue, Gerechtigkeit und Frieden, das sind Werte, die nicht so leicht gemeinsam verwirklicht werden können. Denn da gibt es immer noch und immer wieder Konflikte zwischen Güte und Treue, Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

    • Es gibt Situationen und Konflikte, bei denen diese Grundwerte im Streit und Kampf miteinander liegen, oder noch nicht vereinbar sind und deshalb vielleicht auch einer dieser Grundwerte verletzt werden muss.
    • Dann ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein, die Schuldverstrickung zu erkennen, um Vergebung zu bitten und darauf zu hoffen, dass Gott sie in seiner Barmherzigkeit und Güte gewährt.
    • Und: Die Verletzung dieser Werte muss die Ausnahme sein, denn jede Verletzung auch nur eines dieser Werte bedeutet Unheil.

  • Und so zeigt uns der Spiegel, den uns der Psalm vorhält, damit zugleich auch dieses:
    • Es sind genau diese Werte - Güte und Treue, Gerechtigkeit und Frieden - die es alle miteinander braucht, damit die Realität Gottes – das umfassende Heil dieser Welt - Wirklichkeit werden kann.

In diesen Werten liegt die ganz große Verheißung Psalms, die wie ein unerschütterliches unverbrüchliches „DENNOCH“ über der Realität dieser Welt mit all ihrer Klage und Not, mit all ihrem Leid und Unheil steht.

Und: In dieser Weise ist der Psalm durchzogen vom Prinzip HOFFNUNG, indem er die Spannung zwischen dem Leiden an Ungerechtigkeit, Krieg und Gewalt einerseits und dem Hoffen auf Gottes Reich andererseits offenhält.

  • Gerade in dieser Spannung bleibt die Verheißung bestehen, dass Güte und Wahrheit einander begegnen, um sich ganz nahe zu kommen, und Gerechtigkeit und Frieden sich küssen.

 

GERECHTIGKEIT ist vor allem „Art-Gerechtigkeit“ des Menschen“ - was aber heißt das?

·         Die letzten Gedanken möchte ich noch der GERECHTIGKEIT widmen, die sich im heutigen Psalm ja durch eine ganz besondere Beziehung zum Frieden auszeichnet.

·         Wie kann diese Gerechtigkeit für uns anschaulich, greifbar und konkret werden – gerade in ihrem engen Bezug zum Frieden?

·         Meine Antwort und zugleich These lautet:

Gerechtigkeit ist vor allem Art-Gerechtigkeit des Menschen - was aber heißt das?

o    Artgerechte Tierhaltung kennen wir und wissen, was sie bedeutet…

o    Was aber ist analog dazu: „Artgerechte Menschhaltung“…? –

§  Haltung des Menschen selbst als: Innere Haltung, Einstellung, Bewusstsein, Gewissen

o    Dazu nochmals die Enzyklika „Laudato Si“:

Der Mensch muss seine Mittelpunktstellung – den Anthropozentrismus – aufgeben und demütig ein Geschöpf mit anderen werden und anerkennen, wie abhängig er ist.

Er wird eine gute Haushalterin, ein guter Haushalter im Sinne des Schöpfers sein und das Netz des Lebens nicht zerstören, sondern erhalten. […]

Die Erde braucht einen gnädigen Menschen, wenn er sein eigenes Lebenshaus erhalten will.

Sie braucht keinen planetarischen Egomanen, der nicht mehr weiß, dass er nur ein kleiner Teil des göttlichen Schöpfungsplanes ist, eingebunden in ein ganz großes, einmaliges Netzwerk des Lebens.

§  Wenn „die äußeren Wüsten […] in der Welt [wachsen], weil die inneren Wüsten so groß geworden sind“, ist die Umweltkrise ein Aufruf zu einer tiefgreifenden inneren ökologischen Umkehr, die beinhaltet, alles, was ihnen aus ihrer Begegnung mit Jesus Christus erwachsen ist, in ihren Beziehungen zu der Welt, die sie umgibt, zur Blüte zu bringen.

„Art-Gerechtigkeit“ beginnt mit der ökologischen Umkehr zu einem anderen Lebensstil

Und so beginnt eine solche „Art-Gerechtigkeit des Menschen“ in der Enzyklika von Papst Franziskus mit der menschlichen Möglichkeit und Fähigkeit einer ökologischen Umkehr zu einem anderen Lebensstil - wie er es selbst beschreibt:

·         „Trotzdem ist nicht alles verloren, denn die Menschen, die fähig sind, sich bis zum Äußersten herabzuwürdigen, können sich auch beherrschen, sich wieder für das Gute entscheiden und sich bessern, über alle geistigen und sozialen Konditionierungen hinweg, die sich ihnen aufdrängen. Sie sind fähig, sich selbst ehrlich zu betrachten, ihren eigenen Überdruss aufzudecken und neue Wege zur wahren Freiheit einzuschlagen.

Es gibt keine Systeme, die die Offenheit für das Gute, die Wahrheit und die Schönheit vollkommen zunichte machen und die Fähigkeit aufheben, dem zu entsprechen.

Diese Fähigkeit ist es ja, der Gott von der Tiefe des menschlichen Herzens aus fortwährend Antrieb verleiht. Jeden Menschen dieser Welt bitte ich, diese seine Würde nicht zu vergessen; niemand hat das Recht, sie ihm zu nehmen.“

Die aktuellen Zeichen der Hoffnung aus der jungen Generation

·         „Fridays for Future“

o    Am 20.08.2018 streikte Greta Thunberg zum ersten Mal vor dem Parlament in Schweden zwei Monate später fand sie Unterstützer in allen anderen Ländern. Seit Dezember 2018 streiken auch in Deutschland freitags regelmäßig Schüler und Studenten. Das bekannteste Gesicht ist hier die Geografie Studentin Lisa Neubauer, die auch auf den Kirchentag in Dortmund gesprochen hat.

o    An einem Freitag Anfang März gingen weltweit zum ersten Mal koordiniert in 120 Ländern bei gut 2000 Aktionen hunderttausende Schüler, Jugendliche und Studenten statt zur Schule oder Uni auf die Straße – wie in München, Köln, Neu Dehli, Madrid, Warschau, Honkong, Sidney.

o    Nachdem es dann aus der Politik kritische Stimmen gegen den Protest der Schüler für Klimaschutz und -gerechtigkeit gab, verfassten 12.000 Wissenschaftler eine Stellungnahme, mit der sie ihre Unterstützung der Aktion „Fridays for Future“ deutlich machten und schlossen sich zur Initiative „Scientists for Future“ zusammen, der inzwischen 26.000 Wissenschaftler angehören.

 

o    Ein Schüler aus Köln fasste dabei damals alles zusammen, seine Worte sind für mich so etwas, wie eine Bestätigung dessen, dass Papst Franziskus in seiner Enzyklika wohl zurecht so stark auf die menschliche Möglichkeit und Fähigkeit einer ökologischen Umkehr zu einem anderen Lebensstil setzt:

„Ich hab‘ halt das Gefühl, dass unsre Zukunft - das Leben, das vielleicht auch noch meine Kinder haben werden, von den Leuten, die im Moment das Sagen haben, mit Füßen getreten wird. Und das will ich nicht mehr.“

Da kann man nur sagen: „Weiter so!“

Oder mit den Schlussworten der Enzyklika von Papst Franziskus:

„Gehen wir singend voran! Mögen unsere Kämpfe und Sorgen um diesen Planeten uns nicht die Freude und die Hoffnung nehmen.

Gott, der uns zur großzügigen und völligen Hingabe zusammenruft, schenkt uns die Kräfte und das Licht, die wir benötigen, um voranzugehen.

Im Herzen dieser Welt ist der Herr des Lebens, der uns so sehr liebt, weiter gegenwärtig.

Er verlässt uns nicht, er lässt uns nicht allein, denn er hat sich endgültig mit unserer Erde verbunden, und seine Liebe führt uns immer dazu, neue Wege zu finden.

Er sei gelobt.“

„Laudato Si!“

Amen.