Körper, Geist und Seele in Bewegung bringen

Körper und Geist anregen und sich mit spirituellen Impulsen ein Wohlgefühl verschaffen wollten gleich 45 Pilger auf der Strecke des Jakobsweges von Ergenzingen nach Mühlen.

Von den Wanderfreunden des Schwäbischen Albvereins im gleichen Zugabteil waren die Sulzer und Horber Pilger nicht zu unterscheiden. Wanderstiefel, Rucksack und Anorak glichen sich, doch den Unterschied machte  Diakon Geoffrey Schwegler sogleich, als er zur Gitarre griff und „Danke für diesen guten Morgen“ anstimmte.

Als neuer Diakon des evangelischen Kirchenbezirks Sulz/Horb hatte er zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde drei Etappen des Jakobsweges durch eben dieses Gebiet ausgewählt und vorbereitet. Am Bahnhof Ergenzingen sammelte sich die stattliche Gruppe, deren Anzahl alle angenehm überraschte. In dem Pilgersegen verband Schwegler die Bitte um Beistand sowohl auf dieser kurzen Wegstrecke als auch für den gesamten Lebensweg.

 Angeführt von den katholischen Jakobusfreunden Jürgen Schmid aus Bildechingen und Hans Kneissler aus Salzstetten machten sich Pilger bei kühler Witterung  auf den gut beschilderten Weg zur Liebfrauenhöhe. Die Stationen des Kreuzwegs hinauf trafen sie in dem Zentrum der Marienverehrung zuerst  auf die 1945 errichtete Friedenskapelle mit der Schutzmantelmadonna. Schwester Magdalena von den Schönstatt-Schwestern informierte über das Klosterleben und die reichhaltigen Angebote des Zentrums zur geistigen Erholung und Auffrischung. Die kleine Gnadenkapelle bot gerade genug Platz zum Ausruhen, um den geistlichen Betrachtungen der Nonne zu folgen. Beim „Ave Maria“ outeten sich die zahlreichen Katholiken. Die kronenartige Wallfahrtskirche hinterließ einen nachhaltigen Eindruck mit dem Widerhall eines Pilgerliedes.

Schwegler empfahl, das folgende Streckenstück schweigend zu gehen. Da war nur das klopfende Aufstoßen von Schweglers Pilgerstock neben dem Rauschen der nahen Autobahn zu vernehmen, bis ein Lied das Schweigen aufhob und bei Rohrdorf das Dekanat Freudenstadt erreicht wurde. Unübersehbar hatten die Jakobusfreunde jede Wegbiegung mit dem gelb-blauen Muschelsymbol markiert, damit der Pilgerweg keinesfalls zu verfehlen ist. Inzwischen gut eingelaufen tat die Sonne ihren Teil, dass die Kalorien verbrannten und Pullover oder Anoraks in die Rucksäcke wanderten.

Die Rohrdorfer Georgskirche nahm die Gruppe zur weiteren Station auf und das graue katholische Gotteslob diente als Liedquelle. Zum wechselseitigen Psalm trennte Diakon Schweglen nicht die Bankseiten oder Geschlechter, sondern die Altersgruppen. Die über und unter 50-jährigen klangent stimmlich ebenbürtig. Nochmals legten die Wanderer eine Wegstrecke schweigend zurück, bis sie an einem Wegkreuz Station machten, bei der Schwegler mahnte: „Nimm Dir Zeit, Deine Seele will mit Dir gehen.“ Nach dem Abstieg ins Neckartal war das Ziel, die Mühlener Remigiuskirche bald erreicht, wo Diakon Philipp Scheld die Scheiben des Hefezopfes dünner schnitt, damit es für jeden reichte und als Zeichen des Willkommens erkannt wurde.

Geoffrey Schwegler und die beiden Jakobusfreunde luden alle „Schnupperpilger“ ein, beim Pilgerstammtisch am 3. Mai 2019 um 19.00 Uhr im Steiglehof ihre Erfahrungen auszutauschen und noch mehr zu erfahren, wie heilsam das Gehen sein kann und welche Vorbereitungen der ganze Weg bis Santiago des Compostella erfordert. Am Muttertag, dem 12. Mai, startet dann die zweite Etappe von Mühlen nach Dettingen, wo in der Horber Johanneskirche das blaue Gesangbuch zum Einsatz kommt und in der alten Ihlinger Jakobus-Kirche Sieger Köders Wandbild das Pilgern auf dem Jakobsweg in moderner Weise darstellt.

Bilder und Text: Hans-Michael Greiß